Hallux rigidus

Damit Sie die langfristige Entwicklung eines Hallux rigidus verstehen, erkläre ich Ihnen zu Beginn den Begriff, die beteiligten anatomischen Strukturen und ihre Funktion. Dann wende ich mich den Hintergründen der Entstehung und den Ursachen von Schmerzen bei einem Hallux rigidus zu. Es folgen die Einteilung des Schweregrades, eine Eigenuntersuchung und eine Einschätzung der Aussichten konservativer Therapie. Im Anschluss beschreibe ich Ihnen das Behandlungskonzept der Fuß-Schule München in physiotherapeutischer Einzeltherapie. Sie erhalten von uns eine persönliche Beratung zu Hilfsmitteln wie Schuhen, Einlagen, Bädern und Eisanwendungen. Die Eigenmassage des Fußes mit dem Igelball, die Aktivierung des Quergewölbes und die Gangschulung folgen. Am Ende dieses Beitrags zeige ich die operativen Möglichkeiten auf.

Der Begriff „Hallux rigidus“

Der lateinische Begriff für Großzehe lautet „Hallux“. „Rigidus“ bezeichnet eine zunehmende Bewegungseinschränkung und Versteifung des Großzehengrundgelenkes aufgrund einer Arthrose (Abbau des Gelenkknorpels). Oft ist die mangelnde Beweglichkeit auch mit einer „Valgus Stellung“ (siehe Blog zu „Hallux valgus“) verbunden. Sehr selten ist eine während der Schwangerschaft entstandene genetische Einschränkung der Beweglichkeit vorhanden. Das frühe Stadium wird als Hallux limitus bezeichnet.

Die Entstehung des Hallux rigidus

Wiederkehrende Entzündungen oder Mikrotraumen führen zu einem verfrühten Gelenkverschleiß. Der Gelenkspalt vermindert sich durch vorzeitigen Abbau des Gelenkknorpels (Arthrose). Die Gelenkkapsel schrumpft. Am vorderen Ende des ersten Mittelfußknochens findet ein Knochenanbau (Exostose) statt, der besonders an der Oberseite des ersten Mittelfußknochens gelegen, die Beweglichkeit des Gelenkes vor allem nach oben einschränkt.

Beginnender Hallux Rigidus mit Anbau von Knochenmasse vor allem an der Oberseite

Die Funktion des Großzehengrundgelenkes beim Gehen

Beim Abdruck des hinteren Fußes vom Boden ist Ihre Ferse angehoben. Der Druck wird auf den Ballen mit seinen Zehengrundgelenken ausgeübt. Jetzt benötigen Sie die Beweglichkeit Ihrer Zehengelenke, vor allem des Großzehengrundgelenkes. Sollte der Abdruckpunkt sehr weit vorne auf den Zehen liegen, die Ferse also sehr stark angehoben werden, entstehen hohe Kräfte auf das Gelenk.

Die Abdruckbewegung des hinteren Fußes. Die Stellung der Ferse und der Zeitpunkt der Ablösung des Fußes vom Boden entscheidet über die Höhe der Druckbelastung des Großzehengrundgelenkes. Hier die günstige Variante mit minimaler Biegung der großen Zehe im Großzehengrundgelenk nach oben.

Die häufigste Ursache für einen Hallux rigidus – die ungünstige Belastung des abdrückenden Fußes

Aus biomechanischer Sicht sind das Einknicken der Ferse nach innen in der Stand- und Abdruckphase und ein später Abdruckpunkt des Fußes vom Boden die häufigsten Ursachen für die Entstehung des Hallux rigidus. Dies ähnelt auch der Entstehung eines Hallux valgus. Sie gehen deshalb oft Hand in Hand oder besser Fuß an Fuß.

 

Große Belastung des Großzehengrundgelenkes des hinteren Fußes mit starkem Anheben der hinteren Ferse vor der Ablösung bei gleichzeitiger Innenbelastung des Fußes.

Eine lange große Zehe lässt die Hebelkräfte auf das Großzehengrundgelenk ebenfalls zunehmen. Außerdem kann eine häufige Traumatisierung, wie sie zum Beispiel beim Klettern durch das Anstoßen der Großzehe am Felsen erfolgen kann, eine Versteifung auslösen. Bei einer Gicht wird ebenfalls der Gelenkknorpel frühzeitig ähnlich einer Arthrose geschädigt.

Welche Schmerzen entstehen?

Die ersten Schmerzen entstehen durch Druckstellen an der Ober- oder Innenseite des Großzehengrundgelenkes. Durch die Vergrößerung des Knochens am Ende des ersten Mittelfußknochens wird das Tragen von geschlossenen (zu engen) Schuhen mit hartem Obermaterial schmerzauslösend. Durch den Druck auf Nervenendigungen in der Haut können auch Taubheit und Gefühlsstörungen an der Großzehe entstehen.

Durch die ungünstige Belastung des Fußes und durch den Druckschmerz verspannt sich die gesamte Fußmuskulatur. Dies führt zu einer weiteren Einschränkung der Beweglichkeit und Verstärkung der Druckbelastung der Gelenkflächen. Es treten stechende Schmerzen im Gelenk, vor allem in der Abdruckphase des Fußes auf.

Die schwerste Komplikation ist die entzündlich aktivierte Arthrose des Großzehengrundgelenkes. Durch die entzündungsbedingte Schwellung entstehen starke Schmerzen sowohl beim Barfußgehen als auch beim Gehen in Schuhen. Die Entzündung fördert den weiteren Knorpelabbau (Arthrose) und Knochenanbau (Exostose bzw. auch als Osteophyten bezeichnet). Deshalb sollten Entzündungen auf alle Fälle vermieden werden, indem die im Folgenden beschriebenen Maßnahmen eingesetzt werden.

Eigenuntersuchung

Durch eine eigene Untersuchung können Sie frühzeitig tätig werden. Drücken Sie auf die Oberseite des Großzehengrundgelenks. Ist dieser Bereich sehr empfindlich oder schmerzhaft? Ist eine Verbreiterung des Gelenkes sichtbar? Bewegen Sie jetzt die große Zehe mit Ihrer Hand maximal nach oben. Ist am Endpunkt ein stechender Schmerz zu spüren bzw. wollen Sie lieber nicht bis zum Ende nach oben bewegen? Stellen Sie sich barfuß in Schrittstellung und heben Sie wie beim Gehen die Ferse des hinteren Fußes. Schmerzt die zunehmende Beugung des Gelenkes durch den auf das Gelenk ausgeübten Druck? Sollten Sie einen Schmerz spüren können Sie sich Rat bei einem Termin in der Fuß-Schule oder auch bei einem verständigen Arzt einholen. Der Arzt kann mittels bildgebender Verfahren den genauen Grad der Veränderung des Großzehengrundgelenkes feststellen.

Arthrosegrade des Hallux rigidus

Der Hallux rigidus wird bei der Diagnose durch den Arzt in verschiedene Arthrosegrade eingeteilt:

Hallux rigidus Grad I: Das Großzehengrundgelenk schmerzt am Ende der passiven Bewegung der Großzehe nach oben. Bei der Anfertigung eines Röntgenbildes ist die Arthrose des Großzehengrundgelenks noch nicht sichtbar. Sie haben sehr gute Chancen durch eine gute Hilfsmittelberatung, gezielte physiotherapeutische Einzelbehandlung, Gangschulung und eigene Massagetechniken das Problem in den Griff zu bekommen.

Hallux rigidus Grad II: Die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks ist vor allem nach oben weiter eingeschränkt. Es bilden sich an der Oberseite am Ende des ersten Mittelfußknochens Anbauten des Knochens und es findet eine Verbreiterung der Gelenkfläche statt. Das Röntgenbild zeigt eine erste Verminderung des Gelenkspaltes. Jetzt müssen Sie auf jeden Fall aktiv werden, um Entzündungen des Großzehengrundgelenkes mit einhergehenden starken Schmerzen zu vermeiden. Besuchen Sie die Fuß-Schule zur physiotherapeutischen Einzeltherapie, um nicht durch eine weitere Verschlechterung eine Operation zu riskieren.

Hallux rigidus Grad III: Jetzt sind Gelenkgeräusche bei der Bewegung des Großzehengrundgelenkes zu hören. Auf dem Röntgenbild ist ein stark verschmälerter Gelenkspalt zu sehen. Um das Gelenk finden sich große Knochenanbauten. Der Bewegungsspielraum im Gelenk ist deutlich vermindert. Der Gelenkspalt ist durch den starken Knorpelabbau kaum sichtbar. Jetzt wird es vor allem für Menschen, die ihre Füße z.B. bei Laufsportarten stark belasten, sehr anspruchsvoll – trotz Hilfe der Fuß-Schule in physiotherapeutischer Therapie – schmerzfrei zu werden.

Hallux rigidus Grad IV: Der vollständige Verlust des Gelenkspalts und damit der Beweglichkeit des Großzehengrundgelenkes ist eingetreten. Der natürliche Versteifungsprozess des Gelenkes hat begonnen. Jetzt hilft Ihnen nur konsequenter Einsatz aller Hilfsmittel, konsequente Anwendung der Übungen aus der Fuß-Schule und Gangveränderung, oder bei starken wiederkehrenden Schmerzen nur eine Operation.

Ich habe ihnen an dieser Stelle einen Ausschnitt zur Einschätzung konservativer Therapie aus einer Website zur Gelenkchirurgie eingefügt, um eine ärztliche Sicht zum Thema zu zitieren:
Quelle: www.gelenk-klinik.de

Stellenwert konservativer Therapie bei Hallux rigidus: Häufig wird das Therapieziel konservativ erreicht
Dr. med. Thomas Schneider, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Leiter Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie und Dr. Martin Rinio, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Im Allgemeinen muss bei einer unumkehrbaren Gelenksarthrose ein Gelenk irgendwann zwangsläufig endoprothetisch oder durch Versteifung behandelt werden. Bei Hallux rigidus jedoch kommen viele Patienten erstaunlich lange mit einer konservativen Behandlung aus.
Wenn keine verstärkten Anforderungen an die Funktion und Belastbarkeit des Großzehengrundgelenks bestehen, können viele Patienten mit Anpassungen wie steifen Schuhsohlen, die ausreichend Zehenraum haben, auch ohne Operation ganz gut mit dem Hallux rigidus leben. Der Schmerz verschlechtert sich nicht weiter, sondern kann mithilfe konservativer Therapien im erträglichen Rahmen gehalten werden.
Die weitere, radiologisch feststellbare Verschlechterung der Arthrose wirkt sich dann nicht in zunehmendem Maße negativ auf die Lebensqualität aus.
Patienten mit größeren sportlichen oder beruflichen Anforderungen können diesen Weg aber häufig nicht wählen. Ihr Fuß muss auch bei höheren Anforderungen schmerzfrei belastbar sein. Konservative Therapiemöglichkeiten sind dann meist erschöpft und der Patient muss über eine Operation nachdenken. Der OP-Zeitpunkt ist dabei nicht objektivierbar und wird ausschließlich durch den individuellen Leidensdruck bestimmt. Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, bieten verschiedene OP-Verfahren einen Ausweg.

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Das Behandlungsangebot der Fuß-Schule München

Motto: Alle Maßnahmen, die das Abbeugen der Großzehe unter Belastung nach oben vermindern, entlasten das Großzehengrundgelenk.

Die Beratung
An erster Stelle unseres Behandlungsangebotes nach der Feststellung eines Hallux rigidus steht ein ausführliches Beratungsgespräch. Wir fragen Sie nach Ihren eigenen Erfahrungen im Umgang mit Schmerzen am Großzehengrundgelenk und analysieren mit Ihnen Ihre alltäglichen Belastungsmuster. Wir geben Ihnen Auskunft zur Verwendung von Hilfsmitteln wie Schuhen und Einlagen. Im Mittelpunkt der Beratung steht in den meisten Fällen: Rollen Sie beim Abdruck des Fußes nicht mehr stark ab. Üben Sie möglichst wenig Druck auf das geschädigte Gelenk aus. Deshalb sind auch alle hohen Absätze ein absolutes Tabu bei einem Hallux rigidus. Am besten eignen sich flache Schuhe, da sich bei jeglicher Fersenerhöhung am Schuh der Druck auf das Großzehengrundgelenk verstärkt. Aber auch das unbedarfte Barfußgehen kann bei einem späten Abdruckpunkt (hohe Fersenanhebung vor Ablösung des hinteren Fußes vom Boden) gefährlich sein. Schon manche Strandwanderung hat durch das Einsinken des Fußes auf weichem Sand zu einem Aufflammen der Entzündung und nachfolgenden stechendem Schmerz geführt. Auch einige Yoga- oder Fitnessübungen können Ihrem gefährdeten Großzehengrundgelenk schaden.

Schuhe mit Abrollhilfe
Bei akuten Schmerzen oder auch zur Vorsorge bei eingeschränkter Beweglichkeit des Großzehengrundgelenkes ist meist eine feste Schuhsohle mit einer Abrollhilfe im Vorfußbereich schmerzlindernd. Das bedeutet, dass die Sohle rund nach oben gebogen und sehr steif ist. Dadurch übernimmt die Schuhsohle das Abrollen. Das Gelenk muss sich wenig bis überhaupt nicht bewegen. Bei vielen Laufschuhen oder besonders bei Wanderschuhen ist dies der Fall. Bei einem orthopädischen Schuhmacher können eine Abrollhilfe (Ballenrolle oder Wiegesohle) auch in andere Schuhe eingebaut werden. Eine weitere Möglichkeit sind kyBoot oder Joya Schuhe die eine sehr weiche Bettung mit fester Sohle und Abrollhilfe verbinden. Sie erfordern eine gut trainierte Wadenmuskulatur und sind deshalb nach dem Neukauf nicht zu lange zu tragen. Achten Sie auch darauf, dass sich keine Naht im Bereich des Großzehengrundgelenkes befindet und der Schuh genügend Raum für die Großzehe und den Großzehenballen nach oben gewährt. Deshalb werden im Sommer offene Schuhe mit fester Sohle und Abrollhilfe als besonders angenehm wahrgenommen.

Barfuß und Barfußschuhe
Sofern Sie die Großzehe beim Abdruck nicht stark belasten und möglichst wenig Bewegung im Großzehengrundgelenk vollziehen, kann es sich als sehr angenehm erweisen, barfuß oder mit Barfußschuhen zu gehen, da der Schuh aufgrund des fehlenden Absatzes und der fehlenden „Sprengung“ (Keilform der Sohle von hinten oben nach vorne unten) weniger auf das Gelenk drückt. Der Schuh zeichnet sich auch durch eine große Breite am Ballen mit weichem Obermaterial aus. Barfuß oder mit Barfußschuhen sind Sie dem Boden näher. Sie können dadurch die Gefahr einer Instabilität verringern. Seien Sie aber vorsichtig auf harten Böden bei bereits vorhandenen Schmerzen. Mehr dazu im Blogbeitrag zum Barfußlaufen.

Einlagen mit Rigidusfeder
Für viele Menschen eignet sich eine Schienenversorgung des 1. Zehenstrahls, eine sogenannte Rigidusfeder. Sie wird meist in eine Einlage und nicht in den Schuh eingearbeitet. Sie versteift die Sohle unterhalb des Großzehengrundgelenkes. Dadurch wird das Gelenk vor allem in der Abdruckphase entlastet, da von ihm keine Beugung bei Fersenanhebung verlangt wird. Die Einlage kann ebenfalls das Fußlängsgewölbe unterstützen.
Kombi Barfußschuh und Einlage mit Rigidusfeder
Einige Patienten berichten, dass das Tragen von Barfußschuhen mit einer Einlage mit eingearbeiteter Rigidusfeder zu Ihrer Schmerzfreiheit beigetragen hat. Sie kombinieren damit die Vorteile des Barfußschuhes (kein Absatz, keine Sprengung und weiches Obermaterial) mit den Vorteilen der Versteifung unterhalb des Großzehengrundgelenkes. Leider kann die Verwendung einer Rigidusfeder ohne Abrollhilfe zu einem schnellen Verschleiß der Rigidusfeder führen – sie bricht entzwei.

Fußbad mit Natron oder basischen Badesalzen (siehe auch Blogbeitrag Fußbad)
Bei einer akuten Entzündung mit Erwärmung sollten Sie das Bad nicht anwenden.
Sollte aber keine akute Entzündung des Gelenkes bestehen, können Sie ein warmes Fußbad nehmen. Sie nehmen damit Einfluss auf den Säure-Basenhaushalt Ihres Fußes und senken die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Entzündungen. Genießen Sie Ihr Fußbad mindestens 20-30 Minuten, um den Säure-Basen-Ausgleich der Haut anzuregen. Sie können während des Bades vorsichtig und sanft im Wasser unter Zug die Großzehe in ihrem Gelenk im schmerzfreien Bereich bewegen. Am Ende des Badevorganges duschen Sie Ihre warmen Füße kurz mit kaltem Wasser ab.

Eisanwendung
Bei einer Entzündung des Großzehengrundgelenkes können Sie mit Hilfe eines Eiswürfels das Gelenk kurz (!) kühlen. Reiben sie dazu das Gelenk mit dem Eiswürfel kurz ab. Sie können den Vorgang nach der Wieder-Erwärmung der gekühlten Stellen mehrmals wiederholen.

Die physiotherapeutische Einzeltherapie „Hilfe zur Selbsthilfe“

Igelballmassage
Durch die Massage mit einem Igelball können Sie die Druckbelastung auf die Gelenkflächen vermindern, denn diese Massage erhöht die Elastizität des Bindegewebes und lockert die Muskulatur, was zu einer Zugspannung führt. Das ist die Umsetzung von Druck, der auf die Gelenkflächen einwirkt, in Zug, der die Gelenkflächen entlastet.
Bei der Massage Ihrer Fußmuskulatur ist es wichtig den Ballenbereich (Vorfuß) auszulassen. Geben Sie auf keinen Fall Druck auf das Großzehengrundgelenk.
Stellen Sie sich mit einem Fuß in Schrittstellung auf den Noppen- oder Igelball. Der Ball liegt unter Ihrem Gewölbebogen. Die Ferse steht am Boden. Verlagern Sie Ihren Körper langsam über den Ball nach vorn, ohne die Ferse anzuheben. Gehen Sie mehrmals langsam vor und zurück. Ihre Füße und Knie zeigen, so gut es Ihnen möglich ist, geradeaus. Stellen Sie sich das Aufsetzen einer Zitrone auf eine Saftpresse vor.

Heben Sie jetzt die Ferse vom Boden an. Der Ball liegt in der Mitte des Fußgewölbes unter Ihrem Rist. Kreisen Sie in drei Bahnen (innen – Mitte – außen) langsam durch die Gewichtsverlagerung Ihres ganzen Körpers über den Ball von vorn nach hinten in Richtung Ferse. Stellen Sie sich das Auspressen einer Zitrone durch die Drehung auf einer Saftpresse vor. Rollen Sie nicht wild hin und her, pressen Sie aus. Sollten Sie unter einem Fersensporn leiden, sparen Sie den schmerzenden Bereich bitte aus.

 

Nach der Massage sollte sich Ihr Fuß angenehm, weich und doch kraftvoll elastisch wie eine zarte Katzenpfote anfühlen. Die Spannung der Muskulatur, die mit Ihren Sehnen über das Großzehengrundgelenk zieht, lässt nach.

Training der Fußmuskulatur des Quergewölbes
Durch die feine Kraft der Muskeln des Quergewölbes und des großen Zehs wird Ihr Großzehengrundgelenk vor zu starkem Druck beim Ablösen des Fußes vom Boden geschützt und stabilisiert. Denken Sie dabei an Ihre greifende Hand. Durch die Gewölbeform des Handtellers entsteht die Kraft. Genauso ist es an Ihrem Fuß. Es ist wie bei der Hand eine sehr feine Kraft. Deshalb sind stark anspannende Übungen kontraproduktiv. Die folgenden feinmotorischen Übungen und die Ansteuerung der Feinmotorik sind Voraussetzung für die Entlastung des Großzehengrundgelenkes bei einem Hallux rigidus.

Das Quergewölbe

Stellen Sie Ihren Fuß auf die Ferse. Sie können zur Unterstützung einen weichen Igelball zur Unterlagerung des Fußgewölbes verwenden. Um ein Gefühl für die feine federnde Kraft zu bekommen, versuchen Sie Ihre Zehen ein klein wenig zu strecken und zu fächern. Es entsteht ein winziger Abstand zwischen den Zehen. Alle Zehen zeigen dabei möglichst geradeaus. Ziehen Sie Ihre Zehen nicht nach oben oder unten. Ziehen Sie mit Hilfe Ihrer Hände alle gebeugten und verkürzten Zehen sanft in die Länge. Greifen Sie jetzt die Fußaußenränder und formen Sie sanft einen Bogen. Versuchen Sie, langsam mit der Kraft Ihrer Hände nachzulassen. Ihr Ziel ist, diese Stellung mit der Kraft der Fußmuskeln zu halten. Denken Sie an ein federndes Sprungbrett. Versuchen Sie anschließend die Übung ohne die Hilfe der Unterlagerung eines Balles. Halten Sie dabei die Position wie oben beschrieben. Dies ist die Position Ihres abdrückenden Fußes.

Versuchen Sie jetzt vorsichtig und sanft Ihre große Zehe drehend in die Länge zu ziehen. Sie mobilisieren damit die Gelenkkapsel Ihres Großzehengrundgelenkes.

Rollen Sie Ihren am Boden stehenden übenden Fuß über die Ferse mit dem Fußrücken zu sich. Der Fußrücken mit den locker gestreckten Zehen zeigt Richtung Schienbein. Ziehen Sie dabei nicht die Zehen hoch, sondern versuchen Sie das Quergewölbe Ihres Vorfußballens zu aktivieren. Der erste und der fünfte Mittelfußknochen rollen sich entgegengesetzt ein. Die Zehen sind in Verlängerung Ihres Fußrückens gestreckt. Auf dem Rückweg zum Boden bleiben die Zehen locker gestreckt und gefächert.

Die Gangschulung in der Fuß-Schule München

Langfristig erarbeiten wir mit unseren Patienten die Stabilisierung des Fußes durch eine bessere Schwerpunktverlagerung des Körpers im Kreuzgang (Kontralateraler Gang).

In diesen beiden Bildern sehen Sie eine anatomisch günstige Belastung des Fußgewölbes durch die gegensinnige Verschraubung von Becken und Brustkorb im Kreuzgang.

Verschraubung

 

 

KreuzgangDie Seiten des Körpers von Achsel bis Ferse sind trotz der Schwerpunktverlagerung von einem auf den anderen Fuß beim Gehen stabil. Es entstehen nur geringe Seitbewegungen des Körpers.

Zum Schutz Ihres Gelenkes üben wir mit Ihnen einen möglichst frühen Abdruckmoment des Fußes mit gleichzeitiger Aktivierung der feinen Kraft Ihres Quergewölbes ein. Es gilt: Je weniger weit Sie Ihre Ferse anheben, desto weniger Beweglichkeit benötigen Sie in Ihrem Großzehengrundgelenk. Die Streckfähigkeit von Hüft-, Knie- und oberem Sprunggelenk ist dafür entscheidend, da ansonsten eine zunehmende X-Beinstellung entsteht. Diese führt zu einer erhöhten Druckbelastung des Großzehengrundgelenkes. Eine nach außen gedrehte Beinachse, wie sie oft bei Männern zu sehen ist, kann bei einem Hallux rigidus hingegen toleriert werden, da mir zu diesem Thema Patienten begegnet sind, die durch das Üben an einer geraden Beinachse Schmerzen am Großzehengrundgelenk entwickelt haben.

In beiden Bildern sehen Sie den Moment der Ablösung vom Boden. Die Zehen sind so gut es geht gestreckt und durch die Stabilisation des Quergewölbes ist das Großzehengrundgelenk geschützt. Achten Sie auf den frühen Abdruckpunkt.

Der Besuch bei einem Arzt

Grundlage jeder ärztlichen Maßnahme ist die Erstellung der Diagnose. Dazu kann der Arzt Sie funktionell untersuchen und bildgebende Verfahren verwenden. Anschließend leitet er die Therapie ein.

Konservative ärztliche Möglichkeiten
– Verschreibung von Einlagen und Orthesen (orthopädische Schuhzurichtungen)
– Verschreibung von Physiotherapie für den Besuch der Fuß-Schule
– Entzündungshemmung bei akuter aktivierter Arthrose des Großzehengrundgelenks mit nichtsteroidalen Schmerzmedikamenten (z. B. Ibuprofen) oder Kortison-Injektionen
– Hyaluronsäureinjektion in das Großzehengrundgelenk bei noch erhaltenem Knorpel (nicht von der Krankenkasse anerkannt!)

Operationsverfahren
Wenn alle konservativen Maßnahmen nicht greifen oder Sie nicht bereit sind Ihr Verhalten zu ändern (z. Bsp. auf das Tragen von hohe Absätzen zu verzichten) gibt es die Möglichkeit einer Operation mit allen akuten (Narkose) und langfristigen Folgen (wochenlange Ruhigstellung oder dem Risiko eines schlechten Heilungsverlaufs durch Entzündungen). Für die operative Therapie muss der Chirurg im Vorfeld der Operation den Grad der Gelenkzerstörung feststellen. Je weniger in Ihrem feinfühligen Fuß geschnitten, gesägt, gebohrt und genäht werden muss desto besser. Nach allen Operationen ist eine sinnvolle Schuh- und Einlagenversorgung zusätzlich notwendig.

Gelenkerhaltende Operationen
Bei geringer Beschädigung des Großzehengrundgelenks sollte ein gelenkerhaltendes Operationsverfahren im Vordergrund stehen. Es können dabei z. Bsp. die oberen Knochenanbauten entfernt werden. Oder es wird der erste Knochen Ihrer Zehe mit Hilfe unterschiedlicher Knochenschnittverfahren durchsägt, versetzt und anschließend mit Drähten oder Schrauben in einer für die Beweglichkeit des Gelenkes günstigeren Stellung wieder fixiert. Ich rate Ihnen dringend davon ab, Totalendoprothesen oder Oberflächenersatzprothesen am Großzehengrundgelenk einsetzen zu lassen. Da die Gelenkflächen eher glatt und schlecht knochengeführt sind, kommt es über kurz oder lang zu Verschiebungen der endoprothetischen Gelenkflächen zueinander. Dann bleibt Ihnen nur die Entfernung der Prothesen und eine Versteifung der Zehe. Endoprothesen können in einem großen knochengeführten Gelenk wie dem Hüftgelenk verwendet werden. Es ist mit großen Muskelpaketen umgeben, die die großen Druck- und Zugkräfte auffangen können. Dies ist am feingliedrigen Fuß nicht der Fall.

Operationen zur Versteifung des Gelenkes
Ein nicht mehr vorhandenes Gelenk kann nicht mehr weh tun. Dafür werden die angrenzenden Gelenke verstärkt belastet. Sie können dann langfristig Schaden nehmen. Bei einer Versteifung wird das Großzehengrundgelenk – damit Sie gut Abrollen können – in einem Winkel zwischen 10 bis 30 Grad nach oben fixiert. Es ist die hohe Kunst des Operateurs einerseits die Abrollfähigkeit zu fördern, Ihnen aber anderseits im Stand bei Druckbelastung durch das Körpergewicht Bodenkontakt zu ermöglichen. Dies gelingt leider viel zu oft nicht und führt nach der Heilung zu einer verschlechterten Balance mit allen nachteiligen Folgen. Das Endglied der Großzehe versucht sich verzweifelt im Boden einzukrallen.

Fazit

Seien Sie achtsam bei beginnenden Beschwerden! Sie haben bei intelligentem Verhalten die Möglichkeit die Situation mit Hilfe der Fuß-Schule zu verbessern. Am besten tun Sie dies vor einer OP. Aber auch danach können Sie mit guter Beratung das Beste für sich herausholen.

Mit herzlichen Grüßen
Thomas Rogall

Leiter der Fuß-Schule München, Physiotherapeut und Fachbuchautor