Die Gonarthrose – Arthrose des Knies

Unsere federfähigen Kniegelenke verbinden Fuß und Hüfte. Die hohen physikalischen Kräfte beim Gehen und Laufen erfordern ihre günstige Ausrichtung. Schmerzen die Knie, liegt es deshalb meist daran, dass die Zusammenarbeit von Fuß, Knie und Hüfte ungünstig verläuft. Durch eine Neuausrichtung lassen sich die Kniegelenke aber ein Leben lang gesund erhalten. Auch bei bereits bestehenden Problemen nach Unfällen oder operativen Eingriffen ist es möglich durch gezieltes Üben für eine Verbesserung der Koordination zu sorgen und schmerzfrei zu werden. (Auszug aus dem Umschlagtext meines neuen Buches „Gesunde Knie ein Leben lang“)

Gelenkflächen

Im Bild am rechten Bein die Gelenkflächen des Oberschenkelknochens, am linken Bein des Unterschenkels. Sie sind bei einer Gonarthrose betroffen. (Bildnachweis © CAT PRODUCTION GmbH)

Werden Sie Ihr eigener Knieexperte

Ich möchte Ihnen in einer Reihe von Artikeln darlegen, wie es gelingen kann, eine ausgewogene und günstige Belastung der Knie zu erreichen. Heute dreht sich dabei alles um die Diagnose Gonarthrose und wie Sie sie in den Griff bekommen können. Ich verwende hierfür Auszüge aus meinem Buch „Gesunde Knie ein Leben lang“ (2020 im Herbig Verlag, ISBN 978-3-7766-2876-0).

Gesunde Knie ein Leben lang

Wer sich weitergehend mit dem Knie beschäftigen möchte, kann sich in meinem Buch umfassend zu allen Themen informieren, die das Kniegelenk und das Gehen betreffen, oder kann uns in der Fuß-Schule München zu physiotherapeutischer Einzeltherapie, Seminaren und Trainingsgruppen besuchen.

Die Entstehung der Gonarthrose
Hyaliner Knorpel überzieht als weicher, druckdämpfender Überzug die Enden unserer Knochen. Knorpel werden aus der Gelenkflüssigkeit heraus mit wichtigen Nährstoffen versorgt: Wasser, Zucker und Aminosäuren. Diese Ernährung wird durch wechselnden Druck und Zug auf das Knorpelgewebe gewährleistet. Die Walkbewegung der zwei gelenkbildenden Knochen zueinander, spielt die entscheidende Rolle für diesen Vorgang.

Kniegelenk-beschriftet

Im Bild ein Blick ins Innere auf die Knorpelflächen der Kniescheibe und des Schienbeins. (Bildnachweis © CAT PRODUCTION GmbH)

Mangelnde oder stark leistungsorientierte Bewegung
Damit die Stoffwechselrate hoch genug ist, benötigt der Knorpel ein Leben lang ausreichend dosierte Bewegung. In unserem durch das Sitzen geprägtem Alltag keine Selbstverständlichkeit. Im Wechsel zu starker, leistungsorientierter Belastung im Freizeitsport sind oft keine guten Voraussetzungen für einen gesunden Stoffwechsel des Knorpels gegeben.

Die günstige Koordination der gelenkbildenden Knochen
Entscheidender Faktor für den nährenden Walkvorgang ist eine günstige Koordination beim Gehen und Laufen. Bei Diskoordination oder bei im Sport auftretenden starken Stößen kann der weiche Knorpel verletzt werden. Die genaue Ausrichtung Ihrer Knochen durch eine gute Koordination schützt Sie deshalb vor zu frühem Verschleiß. Wenn die zwei Gelenkpartner schlecht ausgerichtet in Verbindung stehen, wird durch den ungünstigen Zug an einer Seite der Gelenkspalt größer als auf der anderen Seite. Die dadurch ungleichmäßig belasteten, schlecht ernährten Knorpelflächen werden verstärkt abgenutzt.

Die eigene Untersuchung des Knies
Setzen Sie sich auf einen Stuhl und tasten Sie den Gelenkspalt der Innen- und der Außenseite des Knies. Drücken Sie mit Ihren Fingern ein bisschen in die Tiefe.

Im Bild sehen Sie das Ertasten des Kniegelenkspalts. Bei Quellungen des Gewebes in diesem Bereich ist auch ohne einen Befund durch ein MRT oder CT eine Gonarthrose wahrscheinlich.

Spüren Sie dort über längere Zeit, auch ohne Bewegung des Gelenks und besonders auch in der Nacht Schmerzen, kann eine entzündlich aktivierte Arthrose die Ursache sein, die am Knie entzündlich aktivierte Gonarthrose genannt wird. Aus dem physiologischen Alterungsprozess ist eine überschießende Reaktion mit beschleunigtem Abbau der Knorpelzellen entstanden. Die Kontur des Gelenkes ist nicht mehr gut zu erkennen. Das Gewebe um den Gelenkspalt zeigt sich schwammig gequollen.

Die physiotherapeutische Behandlung bei einer aktivierten Gonarthrose in der Fuß-Schule München

Bei einer akut aktivierten Gonarthrose dürfen Sie sich nur sehr dosiert bewegen und müssen bei einer Erwärmung mit Schwellung durch kurze kühlende Eisabreibungen für eine ausgeglichene Temperatur sorgen. In der Fuß-Schule München wird die Heilung durch physiotherapeutische Maßnahmen, wie Lymphdrainage, Matrix-Rhythmus-Therapie® und kurze Kälteanwendungen unterstützt. Aber auch Ihre Mithilfe ist entscheidend: Kurze Abreibungen mit Coolpacks zum Abbau der Wärme sind den ganzen Tag über zu verwenden. Während der Zeit der Entzündung sollten Sie das betroffene Gelenk schonen und es nur im schmerzfreien Bereich bewegen. Leichte mobilisierende Übungen können Ihre Situation verbessern. Die tägliche Anwendung von Quarkpackungen und entzündungshemmenden Salben ist ebenfalls sinnvoll.

Matrix-Rhythmus-Therapie® Massagen und manuelle Techniken
Ob bei einer Arthrose oder einer entzündlich aktivierten Arthrose am Knie (Gonarthrose) – meist sind die Weichteile für Schmerzen verantwortlich. Alle Verspannungen, Verkürzungen und Härten in Muskulatur und Bindegewebe (Faszien) des Ober- und Unterschenkels sollten deshalb durch Massagen behandelt werden.

Im Bild die sanfte Lockerung der Wadenmuskulatur. Ihre Elastizität ist eine wichtige Voraussetzung für ein schmerzfreies Knie.

Durch die Anwendung der Matrix-Rhythmus-Therapie und durch manuelle Techniken können Sie in unserer physiotherapeutischen Einzeltherapie Hilfe zur Lockerung und Steigerung des venös-lymphatischen Rückflusses erhalten. Meist verbessert sich eine Schmerzsituation dann unmittelbar, da die Muskulatur den Druck auf die Gelenkflächen besser in Zug umsetzen kann. Durch die tägliche Verwendung der „Heißen Rolle“ (siehe Blogartikel hierzu) und von Faszien-Rollen und Bällen zur Eigenmassage der Muskulatur wird eine ausreichende Häufigkeit in der Behandlungsfrequenz erzielt.

Dehnung und Kraftaufbau
Nach der Lockerung der Weichteile ist die Dehnung und der Kraftaufbau der Muskulatur mit gezielten Übungen sinnvoll. Ein reines Krafttraining, wie es oft an Geräten zum Einsatz kommt, ist ohne die zuvor aufgeführten Maßnahmen nur bedingt erfolgreich. Ein verspannter und schlecht koordinierter Muskel lässt sich nicht gut trainieren.

Im Bild die Dehnung der Rückseite des Beins. Für eine vollständige Funktion des Kniegelenkes beim Gehen ist die Streckfähigkeit des Beins sehr wichtig.

Im Bild das Krafttraining mit Hilfe einer Gewichtsmanschette zu Hause fernab eines Fitnessstudios.

Die Schulung der Koordination beim Gehen
Langfristig ist die Koordinationsschulung beim Gehen von entscheidender Bedeutung. Durch die Integration sinnvoll koordinierter Bewegung können Sie auch mit einer Gonarthrose schmerzfrei leben.

Im Bild sehen Sie die Koordinationsschulung beim Aufsetzen des Fußes mit Hilfe eines elastischen Bandes. Der in diesem Moment auftretende Stoßimpuls und die geleichzeitige Gewichtsverlagerung auf ein Bein erfordert ein gut koordiniertes Knie.

Die richtige Ernährung und Bewegung unter Entlastung
Eine gesunde Ernährung mit wenig Fleisch und Zucker, das Vermeiden von Giften wie Alkohol, ist neben der dadurch zu erzielenden Gewichtsreduktion angezeigt. Fahrradfahren, Schwimmen und Aqua Jogging sind bei einer Gonarthrose durch die Reduktion der Druckkräfte ebenfalls günstig. Sollte bei der ärztlichen Untersuchung mit bildgebenden Verfahren eine Verschmälerung des Gelenkspaltes und die ungünstigen Stellungen der gelenksbildenden Knochen sichtbar geworden sein, hat dies ohne die Untersuchung der Weichteile nur eine bedingte Aussagekraft über die Funktionsfähigkeit und das Schmerzgeschehen des Gelenks.

Konservative Therapie ist oft erfolgreich

Leider ist das Thema Arthrose häufig angstbesetzt, obwohl die beschriebenen konservativen Therapien bei Mitarbeit und Ausdauer der Betroffenen große Erfolgschancen besitzen. Nach der Diagnosestellung wird von manchen Orthopädinnen oder Orthopäden und Chirurginnen oder Chirurgen als einzige Möglichkeit der Therapie auf einen operativen Eingriff hingewiesen. Besonders in den USA und in Deutschland führt dies im Vergleich zu vielen anderen Ländern zu sehr hohen Operationszahlen mit technischem Gelenkersatz. Die wenigsten Menschen mit Arthrose benötigen aber jemals eine Operation oder eine Gelenkprothese. Deshalb wünsche ich Ihnen viel Erfolg und Spaß beim Üben – und vielleicht besuchen Sie uns zu einem Kurs oder zur individuellen Behandlung in der Fuß-Schule München!

Mit herzlichen Grüßen

Thomas Rogall
Leiter der Fuß-Schule München, Physiotherapeut und Autor